Einige „Merkwürdigkeiten“ für die Nachkommenschaft

So überschreibt der Gerichtsanwalt Josef A. Zircher und Gemeindevorsteher den ältesten Bericht aus der Zeitkapsel in der

  • Turmkugel von 1838. Damals fand eine erste umfangreiche Restaurierung von Turm und Neudeckung der Turmspitze seit 1692 statt (geschmiedete Nägel, Turmknopfvergoldung in Bludenz).
    Mauermeister Pig von See und der Zimmermeister Mathias Greil von Perfuchsberg übernahmen die Bauarbeiten. Es gab auch schon einen Bauinspektor von Seiten der Gemeinde: Kristian Schmid/Müller in Diasbach.

Kurat war Johann Paul Jäger aus Kappl, Josef Alois Lindenthaler, Autor der bekannten Kappler Predigt war im 40. Priesterjahr Frühmesser.

Josef A. Zircher, auch Schullehrer in Holdernach, berichtet aus dem Jahr 1731 von großer Lebensmittelteuerung, diese Nachricht wiederholt sich immer wieder … Kostete z. B.  1731 die „Muth“ Korn 3 fr(Sfr) so stieg der Preis 1814 auf 16 fr, die Muth Gerste 14 fr., ein Pfund Butter 30 fr, ein Pfund Käse 10 fr.

Nach dem Jahr 1816 (dem Jahr ohne Sommer) war 1817 ein überaus fruchtbares Erntejahr – und trotzdem stiegen die Preise wöchentlich. 1838 war Kaiser Ferdinand (Sohn von Franz I.) 3 Jahre im Amt und besuchte am 12. August Tyrol. In Innsbruck fand die 1. Huldigung der Landesregierung statt – zu der aus Kappl 5 Männer anreisten.

  • Im Sommer 1913 (unter Pfarrer Franz Hörbst) ging eine lange intensive Restaurierung von Kirche und Turm dem Ende entgegen. Damals wurde der Kirchturmknopf vom Zimmermeister Gottfried Ladner von Au und seinen Gesellen Franz Josef Ladner und Wilhelm Pfeifer herabgenommen. Von 1905 – 1913 wurde die Kirche innen und außen restauriert. Der Gesamtbetrag betrug 42.000,00 Kronen (aufgebracht durch Spenden, Schenkungen, Erbschaften und 3 Haussammlungen, zusätzlich 400 Kronen Spenden von außen).
    Der Maler Heinrich Kluibenschedel stattete dabei unsere Kirche mit den an den Barockstil angepassten Malereien im Triumphbogen, Deckenbilder (Engel) und Orgelempore mit dem Bild der Hl. Cäcilia und König David aus.
    Es kamen auch neue Fahnen und Paramente in die Kirche. Der Kunstmaler Sturm renovierte die Stationsbilder außen an der Kirche.
    Damals wurden auch die Turmquader aus körnigem Putz aufgetragen; die bei der heurigen Renovierung wieder hergestellt wurden.

Auch 1913 war das Sommerwetter nicht ideal für eine Turmrestaurierung. Es regnete über einen Monat lang, am 26. Juli ist das erste Heu noch nicht überall eingebracht. Ein Kilo Butter kostet 2 Kr 70 h(eller), 1 kg Käse 1 Kr 80 h. Ein schönes Rind ca. 800 Kr. Es gibt in Kappl 1100 Einwohner. 

„Zur ständigen Intelligenz gehören im Berichtsjahr 1913“:

    • ein Doktormedizinalrat (Dr. Geiger)
    • ein Lehrer, eine Lehrerin (Leo Eiter, Kreszenz Hofer)
    • Notschulen sind in Holdernach und Perpat
    • ein Kooperator (Johann Heidegger)
    • und ein Pfarrer – der Berichterstatter Franz Hörbst.
  • Sehr ausführlich beschreibt Pfarrer Engelbert Unterlechner die Turmsanierung von 1958; insbesondere die Art und Weise, wie der Turmrestaurator Johann Jäger von der Spitze des Turmes bis in die unteren Stockwerke die Malerarbeiten durchführte. „Ein Nachkomme des alten Kappler Turmuhrmachers, ein säkulares Naturtalent, das mit bloßer Volksschulbildung unglaubliche Tüchtigkeiten vollbringt“…
    Von seinem Förderkorb aus, der durch Seile und Walzen beweglich ist, kann er sich um den Turm herum und auf und ab bewegen. 140 m² Turmdach bürstete Johann an 3 Tagen mit zusammen 33 Arbeitsstunden.
    Den 1. Anstrich in 43 Stunden an 5 Tagen. Den 2. Anstrich schaffte er in 45 Stunden. Damals war Johann 46 Jahre alt. (Übrigens arbeitete Johann auch 1981 bei der Restaurierung auf dieselbe Weise, wobei ihm auch seine Söhne Johann und Gebhard halfen).

1958 war ein gutes Jahr – das beste seit Jahrzehnten. Es gab reichlich Korn und Kartoffeln und Futter und alles konnte gut eingebracht werden („Heuer keine Flocke Schnee auf Almen und Bergen!“).

Auch auf die gesellschaftlichen Veränderungen geht Pfarrer Unterlechner ein: Er bedauert die „unselige Hitlerzeit“, den hohen Blutzoll junger Soldaten aus der Pfarrgemeinde (95 Tote in beiden Weltkriegen), 7 Priester wurden aus Tirol hingerichtet, darunter Pfarrer Otto Neururer, der auch ein knappes Jahr in Kappl wirkte. In Kappl sei aber auch viel gemildert worden durch ausgezeichnete Männer und wohl auch mutige Frauen (Erg.)
Bürgermeister Johann Siegele, Gemeindesekretär Eugen Zangerle von Wiese, Gendarmerieinspektor Netzer verhinderten als Katholiken sehr viel Schlimmes.
Ebenso hielten Lehrpersonen, voran Schulleiter Leo Eiter, Regenschori (Chorleiter) und Organist, zur kirchlich treuen Bevölkerung.

Die Pfarrfamilie hatte seit dem Ende des Krieges sehr viel für die Kirche geleistet. Pfarrer Unterlechner geht auf das Schicksal der Kirchenglocken ein. Schließlich erinnert er an die festliche Glockenweihe durch Bischof Dr. Paul Rusch am 23. Oktober 1949.

1953 war die Kirchenbeleuchtung neu gemacht worden, ebenso wie eine elektrische Läutanlage für die 3 großen Glocken. Der Turm wurde von den Maurern Tobias Bock und Robert Rudigier – Holdernacherau neu verputzt und geweißelt. Diesselben Arbeiter haben den Turm innen ausgewaschen und verputzt. Zimmermeister Zangerle Johann von Wiese machte die Inneneinrichtung des Turmes mit Stiegen und Podesten. 1949 weißelte Maler Alfred Huber die Kirche außen. Unter Bürgermeister Johann Siegele wurde die neue Friedhofsmauer gebaut. Ebenso wurde 1955 das alte Widum abgerissen und neu gebaut. 1955 – 1957 wurde das neue Gemeindehaus errichtet.

Die Pfarrbevölkerung nähert sich 1958 der Grenze von 1400 Katholiken. „Im Großen gesehen“– so schreibt Pfarrer Unterlechner – „ist sie immer treu zusammengestanden – in kleinen täglichen Belangen ist sie leider von zu wenig Gemeinschaftssinn erfasst. Aber man muss sie lieben und loben, sie verdient es.“

 

 

  • Die vorletzte Turmrestaurierung fand im Jahr 1981 unter Pfarrer Ulrich Obrist statt. Schon im ersten Jahr nach seinem Pfarreinstand wurde 1979/80 die Sakristei vergrößert. Ein heller einladender Raum entstand, in dem man sich gut auf den Gottesdienst vorbereiten kann. Pfarrer Ulrich ließ auch zusammen mit dem PKR das Kirchendach decken und im Jahr seines Abschiedes 1998 eine neue Lautsprecheranlage installieren. Eine Turmsanierung war auch schon damals nur unter Einbindung des Denkmalamtes möglich. Das Konzept des Denkmalschutzes allerdings änderte sich oftmals im Lauf der Zeit. Das Christophorusgemälde im barocken Stil – im Laufe der Zeit unansehnlich geworden – ist nach einer negativen Abstimmung in der Bevölkerung mit Erlaubnis des Landesdenkmalamt abgeschlagen und überputzt worden.

2025 hat eine vom Bundesdenkmalamt gewünschte Befundung diese Tatsache bestätigt – dabei hat die Firma Gebhard Ganglberger aber eine „gotische Rötelzeichnung mit Farbresten eines früheren Christophorus, von dem heute noch ein Stück seines Stockes, sowie der Kopf des Einsiedlers neben dem Fluss zu sehen ist – wieder durch ein „Fenster“ in die Geschichte „sichtbar gemacht“.

NB: Viele alte Kirchen tragen ein überdimensionales Bild des Heiligen, der das Christuskind über den Fluss trägt. „Wer dieses Bild mit einem vertrauensvollen Blick würdigt, der wird an diesem Tag nicht plötzlich sterben“, so der tiefe Glaube der Menschen.

Gerade in unserer Zeit, in der so gut wie keine Sicherheiten und Beständigkeiten mehr gibt, weil sich so viel zu rasch ändert, hilft es uns Tag für Tag, sich der Liebe Gottes anzuvertrauen und unser Leben ganz in seine Hände zu legen. Denn nichts ist sicherer, als dass die Stunde des Todes auf uns zukommt.

Spendenaktion Turmsanierung

Zur Erinnerung: das Spendenkonto beim Bundesdenkmalamt ist noch bis Mai nächsten Jahres aufrecht!

Spenden sind immer noch möglich und willkommen, ein herzliches „Vergelt’s Gott“ dafür!

Pfarrer Gerhard Haas