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Liebe Kapplerinnen und Kappler!

Unsere Vorfahren haben unter großen Opfern und mit bewundernswertem Einsatz eine große und schöne Kirche gebaut und sie, wenn es notwendig war, immer wieder restauriert. In unserer guten Zeit wurden uns für die notwendige Renovierung nicht Solche Opfer abverlangt. Aber es ist doch sehr anerkennenswert, dass. es keine ernsthaften Probleme gegeben hat.

Ich reihe mich in die Schar der allermeisten Bewohner und Gäste ein, welche die wunderbar hergestellte Kirche bewundern und eine große Freude damit haben. Deshalb danke ich allen, die dafür verantwortlich sind, ganz herzlich

  • Allen Spendern und Geldgebern: Bevölkerung der, Bund und Land, dem Bundesdenkmalamt und der Gemeinde
  • allen ausführenden Firmen, Künstlern und freiwilligen Helfern
  • den Organisatoren und Entscheidungsträgern: Den Verantwortlichen des Denkmalamtes und der Diözese, Herrn Pfarrer Mag.. Gerhard Haas und ganz besonders Bmst. Helmut Ladner als Hauptverantwortlichem für die Organisation und die Ausführung der Arbeiten und seinem Team.

 

Unsere Kirche ist der geographische und geistige Mittelpunkt und Wahrzeichen von Kappl. Möge sie das auch für Künftige Generationen bleiben! “

Kappl, im Frühsommer 2003

Bürgermeister Josef Wechner

BildvomPfarrer

Liebe Pfarrangehörige!

Liebe Besucher der Kappler Kirche!

Vor 6oo Jahren wurde die „CAPL“, auch das erste Gotteshaus ein Stelle der heutigen Pfarrkirche schriftlich erwähnt. AD capellam – so wurde unser Ort in den alten lateinisch verfassten Schriften bezeichnet und dieser Name ist bis auf den heutigen tag der Name der Gemeinde im mittleren PAZNAUN geblieben.

Wie wichtig den Kapplern / innen ihre Kirche immer war, zeigt auch das Wappen: Eine schwarz-silberne Kapelle auf blauem Grund.

Seit etlichen Jahren, es begann vor zwanzig Jahren mit dem Umbau der Sakristei, wurde an einer umfassenden Außenrestaurierung gearbeitet, Nunmehr Erstrahlt die St. Antonius PFARRKIRCHE nach einer gänzlichen INNENRESTAURIERUNG im neuen Glanz.

Im „Lawinen und KAPELLENREICHSTEN TAL Tirols“ – dem Paznaun-nimmt dieser markant gelegene Kirchenbau mit seinem Spitzturm einen besonderen Platz ein.

Er gibt dem weit auseinanderliegenden Ort mit den vielen, am Berg und im Tal verstreuten Weilern, eine symbolische Mitte und eint die Pfarrangehörigen. IHNEN allen gehört die Kirche. Von weither kommen Sie zu Gottesdiensten und Friedhof.

Vielleicht ist es gerade die geographische Lage der Kappler Kirche Sowie die einstige Kargheit des Tales, die Armut, welche den großen Fleiß der hier lebenden Menschen anstachelte. Unter grössten Opfern errichteten sie ein prächtiges Gotteshaus und dabei gab es damals keinen Weg zum Kirchdorf. Für ihr geistiges Zentrum, die Kirche, opferten und schenkten die Gläubigen unglaublich und legten bei Instandsetzungs-und Renovierungsarbeiten Hand ein.

In Kappl ziehen die Pfarrangehörigen „hinauf zum Berg des Herrn um ein Seiner heiligen Stätte zu verweilen“, mindestens genauso viele Gläubige aber steigen hinunter fahren oder vom Berg hinunter zur Kirche, wenn die Glocken zur Andacht einladen. Auf jeden Fall füllt Sonntag für Sonntag das Gotteshaus eine zahlreiche Gläubigengemeinde.

Wenn wir – oder Sie, lieber Gast, jetzt das Gotteshaus betreten, empfängt uns am Ende der Restaurierungsarbeiten ein überaus heller, freundlicher Kirchenraum. Der barocke Gesamteindruck Mit seinen Zeichen und Symbolen lädt ein zum Verweilen, zum Gebet, zum Feiern der christlichen Glaubensgeheimnisse. Das Menschenherz braucht die Kirche als Raststation auf dem Weg in das ewige Zuhause.

Gottes Segen und einen frohen CHRISTUSGLAUBEN Besuchern von St. Antonius allen.

Pfr.. Mag. Gerhard Haas


Archäologische Grabungen in der Pfarrkirche von Kappl

J. Pöll, BDA

Im Mai 2001 fänden Im Zuge der Restaurierung der dem hl. Antonius geweihten Pfarrkirche von Kappl archäologische Grabungen statt, durch welche Informationen zur Baugeschichte des Gotteshauses gewonnen werden sollten. Da schriftliche Quellen diesbezüglich Häufig sehr lückenhaft überliefert sind in Tirol ZUDEM meist sehr spät einsetzen und, und bleibt zur Klärung bau-siedlungsgeschichtlicher Fragen nur die archäologische Ausgrabung.

Für das Ende des 14. Jh. wird eine Neuweihe eines Altars überliefert, Woraus zu folgern ist, dass. zu diesem zeitpunkt bereits eine „Capella“ über einen uns nicht näher Bekannten Zeitraum bestanden haben muss. Für das Jahr 1482 ist eine Chorneuweihe überliefert. 1663 erfolgte offensichtlich eine Erweiterung der Bestehenden Kirche nach Westen. Der Neubau der jetzigen Kirche wurde in den Jahren 1726-28 unter dem verdienten Pfarrer Adam Schmid, Dessen Grabmal heute etwa in der Mitte der Nordwand steht, aufgeführt.

Die Grabung lieferte Hinweise zu allen aus den Schriftquellen bezeugten Bauten. Die Erwähnte „Capella“ des 14. Jh. Konnte teilweise nachgewiesen werden. Erhalten war ein kurzer Abschnitt der Ostwand (M1), von der aber nur mehr die untersten Fundamentlagen angetroffen wurden. Die Verzögerung Ostmauer an der Stelle der spateren Chorstufen bzw.. des gotischen Triumphbogens (D). Der Ansatz der Südwand (M3) an die Ostwand Krieg gemauert

erhalten, der Rest der Südmauer Allerdings nur mehr als

schuttverfüllter Mauerausrissgraben belegbar. Von der Westwand (M4) hat sich im Anschluss an die Südwand der Wiederum Ausrissgraben erhalten, etwa in der zu rekonstruierenden Schiffmitte Verzögerung noch die unterste, trocken verlegte Fundamentlage der Mauer. Die Mauerkanten wurden von großen, in den gewachsenen glazialen Moränenschotter verlegten Lesesteinen gebildet, die Innenfüllung des Fundamentes setzte sich aus Kleineren Bruch-und Lesesteinen zusammen (Zweischalenmauerwerk). An der Innenkante des Ostmauerfundamentes befand sich eine Steinsetzung (A) aus großen, trocken verlegten Lesesteinen, Deren Ausdehnung auf Grund der Störung jüngerer Grabgruben (G2, G6) nicht gänzlich erfasst werden konnte. Die Interpretation dieser Steinlage muss im zusammenhang mit dem Altarstandort in der romanischen Kirche gesehen werden. Da zu vermuten ist, dass. sich jener wie z.B. in Fließ (Pfarrkirche) nachgewiesen, direkt an der Ostwand in der Mittelachse des Schiffes befand, die kann Steinsetzung (A) nicht als Unterbau für den Altar fungiert haben. Geht man aber von einem erhöhten Altarbereich aus, so darf auf ein vorgezogenes Stufenpodium geschlossen werden. Eine architektonische Lösung wie in Thaur (St. Ulrich und Afra), wo ein derartiges über die ganze Schiffsbreite geführtes Podium in den Laienraum hineinreicht, ist auch für Kappl denkbar.

Bei dieser ersten Kirche handelte es sich um einen rechteckigen Saal ohne ausgeschiedenes Presbyterium von ca. 11,80 m lichter Länge. Auf das fehlende Ausgeschiedene Presbyterium, Entweder Apsis oder Rechteckchor, weisen Reste von gestörten Gräbern im gotischen Chor hin, die beim Bau desselben angeschnitten worden sind. Somit ist auch indirekt an der Ostseite der Kirche der Friedhof romanische bezeugt. Dieser Dürfte sich auch über die Südseite der Kirche erstreckt haben, war die Erdgräber G11 und G 12 zeigen, denn zumindest G 11 ist älter als der gotische Chor, da der Oberkörper des Toten bei der Anlage des Chorschulterfundamentes entfernt worden sein muss.

Für die Breite dieses Gotteshauses bestehen keine direkten Hinweise, da die Lage der Nordmauer sich im Befund nicht abbildete. Beim Bau der barocken Kirche Dürfte nämlich das Niveau im Inneren der Kirche deutlich abgesenkt worden sein. Dies kann aus dem Fehlen von Bodenresten der romanischen und gotischen Kirche ersehen werden. Da gleichzeitig die ehemaligen Fundamentunterkanten der West-bzw.. Nordmauer entsprechend der Hanglage des Gebäudes im Norden Wesentlich höher lagen als im Süden, war bei der gegenüber bestehenden Kirche immer noch der Fall ist, wurde das alte Westmauerfundament in der Nordhälfte restlos beseitigt. Deshalb ist auch die für die Beurteilung des ursprünglichen Grundrisses Entscheidende Nordwestecke nicht mehr vorhanden.

Auf Grund allgemeiner Überlegungen zur Anteil des Gotteshauses sind zwei mögliche Varianten denkbar. Zum einen könnte das Schiff Ursprünglich im Inneren etwa 6 m breit gewesen sein, war einem Proportionsverhältnis von 2:1 (Länge: Breite) entspräche, welches für romanische Säle des öfteren ist bezeugt. Zum Anderen ist es aber nicht ausgeschlossen, dass. die romanische Nordmauer sich bereits an der Stelle der heutigen befunden hat. Damit wäre der Saal im Lichten ca.. 7,80 m breit gewesen, Woraus ein Proportionsverhältnis von 3:2 (Länge: Breite) abzuleiten ist, das ebenfalls nicht ungewöhnlich ist. Betrachtet man die Mauerstärken der romanischen Anlage, die im Fundament 1,00 m (Westwand) – Ca. 1,30 m (Ostwand) bzw.. 1,00 – 1,35 m (Ausrissgraben der Südwand) betragen, so fällt auf, dass. die heutige Nordwand im aufgehenden mit einer Stärke von ca.. 1,10 m inklusive Putz im Bereich der alten romanischen Mauerbreite angesiedelt ist und vielleicht einen direkten Bezug zu den alten Mauern herstellt. Zudem wurde bei den gotischen Umbauten romanischer Landkirchen oft der neue, Größere Polygonalchor an das alte, unverändert übernommene Langhaus angesetzt. Ein derartiger Vorgang könnte auch in Kappl vorliegen.

Eine gute Parallele zu dieser romanischen Kirche bietet der hochmittelalterliche Vorgängerbau der Pfarrkirche von Fließ. Es scheint so als habe das Bistum Chur nahe, dem in dieser Grundrisstyp Häufiger vertreten ist, bis ins westliche Tiroler Oberland ausgestrahlt. Eine Datierung des Erstbaues auf archäologischem Wege (Funde) ist nicht gelungen. Die eingeschränkte Aussagekraft des Mauerwerkes, des Grundrisses, Sowie die Größe des Baues in Verbindung mit historischen Daten zur Besiedlungsgeschichte des Paznauntales lassen einen zeitlichen Ansatz des Bauwerkes dem wohl kaum vor Ende des 13. Jh. als wahrscheinlich erscheinen.

Mit der 1482 belegten Chorneuweihe Müssen die im heutigen Chorraum aufgedeckten Fundamente eines dreiseitigen Polygonalchores (M2) Zusammenhängen, von dem Süd-und Ostseite ergraben wurden. Die heutige Nordmauer des Chores ist ident mit der 1482 errichteten hingegen. Zumindest bis in die Höhe der mittig in der Chornordwand freigelegten Sakramentsnische stirbt, ist erwiesen. Der Chor war um etwas mehr als eine Mauerstärke (Mauerstärke der Chorsüdwand, Südosteschenkel und Ostschenkel Chorpolygon im Fundament 0,90 m) gegenüber dem Schiff eingezogen. Im 5,40 x 6,05 m messenden Chorraum waren keine Reste des Bodens oder Altares mehr vorhanden. Die Fundamente des gotischen Triumphbogens (D) wurden auf die alten Fundamente des romanischen Ostabschlusses aufgebaut. Wahrscheinlich steht die Errichtung des Turmes im Norden in direktem zusammenhang mit dem Chorneubau. Die östliche Turmwand Nämlich schließt exakt mit dem Ansatz des nordöstlichen Schenkels des Chorpolygons ab. Auffällig ist in diesem zusammenhang die erhöhte Mauerstärke des Nordostschenkels des Chorpolygons (ca. 1,20 m), wurde mit der zeitgleichen Errichtung des Turmes eine Erklärung fände. Die gotische Kirche Hs. besaß spitzbogige Fenster, wurde durch den Fund eines Fenstermaßwerkfragmentes im gotischen Bauschutt belegt ist. Dieses bestand aus gelblichem Tuff, der in Grins gebrochen worden sein dürfte.

Erst 1663 hat man dann die Kirche bis auf die Höhe der heutigen Westwand nach Westen um 9,10 m verlängert. Das in diese einbindende, 1,05 m breite Südmauerfundament (M5) konnte freigelegt werden. Im Bereich der Südwestecke sitzt die rezente Westwand schnell 30 cm westlicher als das Fundament. Möglicherweise wurde im Zuge des barocken Neubaues die gesamte ältere Westmauer niedergelegt und neu aufgeführt.

Nicht restlos klären ließ sich die Funktion der gemauerten Fundamente B und C, die westlich an die alte Westwand anschlossen. Fundament C Krieg durch eine dünne Erdschicht von der M4 Mauer getrennt, gleichzeitig auch tiefer fundiert als Jene. Relativchronologisch ließ sich feststellen, dass. dieser mauerteil C erst nach dem Abriss der alten Westwand eingebracht worden sein kann, da er Verfüllung von Grab 13 störte, die Dessen Grabgrube seinerseits die Abrisskante der romanisch-gotischen Westwand M4 schnitt. Somit Dürfte diesem Fundament eine nicht näher zu definierende Funktion im erweiterten Schiff von 1663 zugekommen sein. Dieses Fundament selbst wird gestört durch den jüngeren Mauerkern B. Er besteht aus schlecht Lesesteinen vermörtelten, in der Mitte lag eine quadratische Ausnehmung für einen Balken. Für eine Emporenstütze ist er zu weit östlich situiert, wird man am ehesten eine Darin Gerüstfundamentierung für den barocken Neubau sehen dürfen.

Dia 1:Kappl-Pfarrkirche 2001. Blick vom Heiliggeistloch auf die Grabungsbefunde Im Schiff und Chor.

Vor den Chorstufen bzw.. im Altarraum Konnten mehrere barocke Priestergräber aufgedeckt werden (G1-G9). Es handelt sich um Durchwegs Sargbestattungen, Wobei bei Einigen noch die Bemalung des Sargdeckels mit einem schwarzen Kreuz sichtbar war. Alle Priester wurden mit dem Messgewand bestattet, in einem Grab (G1) war dem Pfarrer quasi symbolisch ein Stelle des Messkelchs ein Stengelglas mitgegeben worden.

Dia 2:Kappl-Pfarrkirche 2001. Holzsarg von Grab 2. Links davon Trockenmauerfundament A, rechts Reste der romanischen Südmauer M3.

Als Detail am Rande sei abschließend die „Odyssee“ des Leichnams von Pfarrer Schmid skizziert, Dessen sterbliche Überreste an nicht weniger als drei Stellen der Kirche gelegen haben. Zuerst wurde er bis zur Fertigstellung Waden gemauerten Grabes im Bereich des Südlichen Triumphbogenpfeilers in einem Holzsarg nordwestlich des Südlichen Seitenaltares bestattet. Die ausgeräumte Grabgrube (G4) mit Resten des Holzsarges Könnte noch teilweise freigelegt werden. In der Mitte des 18. Jahrhunderts. Jh. wurden seine Sterblichen Überreste exhumiert und dann im steingemauerten erwähnten Grab am Südlichen Triumphbogenpfeiler deponiert, wo er bis in die 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts. Jh. ruhte. Im Zuge der damals durchgeführten Restaurierung Bislang fand seine letzte „Umbettung“ an die heutige Schiffsnordmauer statt.

DENKMALPFLEGERISCHE Aspekte der KIRCHENRESTAURIERUNG in Kappl

Dr. Reinhard Rampold


Nach zweijährigen intensiven Vorarbeiten Konnte Innenrestaurierung der Pfarrkirche von Kappl sterben, sterben zu den stattlichsten barocken Sakralbauten im Tiroler Oberland zählt, im Jahre 2001 in Angriff genommen werden. Die fachliche grundlage der Restaurierungsarbeiten bildete eine vom Denkmalamt in Auftrag gegebene, Umfassende wissenschaftliche Befundung, die wichtige Informationen zur Ausstattungs-und Restauriergeschichte der Kirche lieferte. Durch Dominanz der barocken Ausstattung – die Kirche wurde mit Ausnahme des gotischen Turmes und der 1482 datierten Chornordwand in den Jahren 1726/27 neu erbaut und 1774 die Spätbarock umgestaltet (Stuckierung und Freskierung des Gewölbes) – bildete die weitgehende Wiederherstellung des barocken Raumkonzeptes die Zielvorgabe. Die Realisierung dieser Vorgabe war jedoch insofern nicht unproblematisch, da auch die Interpretation neubarocke (die historistische Restaurierung von 1865/68 hatte sich nur auf die Raumhaut und die Fassung der Altäre bezogen) aus dem Jahre 1907, Im Zuge derer Wesentliche Veränderungen in der Kirche durchgeführt worden waren, integriert werden musste. Da das Mauerwerk durch aufsteigende Bodenfeuchte bergseitig im Sockelbereich in Mitleidenschaft gezogen war, und wurde zunachst der Boden abgetragen eine archäologische Grabung durchgeführt, die

wichtige Rückschlüsse auf die Vorgängerbauten

ermöglichte. Nach Einbringung einer Rollierung und eines Estrichs Konnte mit der Restaurierung der Raumhaut begonnen werden, Wobei zunachst der anlässlich der letzten Renovierung in den Jahren 1958/60 aufgebrachte, materialtechnisch falsche und bauphysikalisch schädliche Dispersionsanstrich abgenommen und die Stukkaturen freigelegt und gefestigt werden mussten. Die Wand-und Gewölbeflächen wurden in gebrochenem Weiß getüncht, der Stuck Erhielt befundgemäß eine graublaue Fassung, die Goldhöhungen beschränken sich Nunmehr Lediglich auf den inneren Bildrahmen. Die Deckengemälde im Langhaus von Philipp Jakob Greil aus dem Jahre 1774 und das Chorbogenfresko von Heinrich Kluibenschädl von 1907 wurden gereinigt und im Fehlstellenbereich retuschiert, die anlässlich der letzten Renovierung in Ölfarben übermalten Deckengemälde im Presbyterium wurden entfernt und Müssen, da auch die darunter befindlichen alten Fresken nur noch rudimentär erhalten waren und sich mit den sekundär ZUDEM erneuerten Stuckrahmen überschnitten, Deckengemälde durch neue ersetzt werden. Entscheidend für den barocken Gesamteindruck ist auch der im Diagonalen Schachbrettverband neu verlegte Boden aus beigem und Kramsacher rosafarbenem Marmor, der den historistischen Boden aus ornamental gemusterten Ziegelplatten ersetzte. Sehr positiv für den homogenen Raumeindruck wirkt sich auch die architektonische Veränderung der unteren Empore aus, die mit neuen Rundsäulen unterstellt wurde und im Mittelteil der optisch zu steif anmutenden Brüstung Nunmehr karniesbogenförmig ausschwingt. Wesentlich aufwändiger als geplant Ursprünglich gestaltete sich die Restaurierung der drei um 1726/27 entstandenen Ädikulaaltäre, der zeitgleich entstandenen Kanzel und der spätbarocken Orgel der Kirche. Während bei den Altären und der Kanzel die farbenkräftige Zweitfassung aus der Zeit der zweiten barocken Umgestaltung im Jahre 1774 freigelegt werden konnte Lediglich im Fehlstellenbereich und retuschiert werden musste, war die Originalfassung der von Andreas Kölle stammenden figürlichen Ausstattung Weitgehend zerstört und musste großteils rekonstruiert werden. Einer Restaurierung unterzogen werden mufeten die auch urkundlich 1726 von Franz Laukas gemalten Altarbilder und die aufwändig gerahmten Stationsbilder der Kirche, Deren Malschicht gereinigt, gefestigt und im Fehlstellenbereich retuschiert wurde, Während die Originalfassung der sekundär überstrichenen Stationsbilderrahmen freigelegt werden konnte. Da das Gestühl unter Weiterverwendung der barocken Wangen bereits einmal erneuert worden und war eine Freilegung des überstrichenen Holzes zu aufwändig gewesen wäre, entschloss man sich, ein neues, barockisierend ausgeführtes Gestühl anzufertigen und den geschnitzten Wangendekor auf dasselbe zu übertragen. Aufgerichtet werden musste Im Zuge dieser maßnahmen auch das mit Schnitzdekor versehene barocke Chorgestühl, Dessen Ölfarbenanstrich abgenommen werden konnte. Ein wesentliches Anliegen denkmalpflegerisches liturgisches und bildete die Suche nach einem geeigneten Aufstellungsort für den gotischen Taufstein der Kirche, der seit Jahren hinter dem Hochaltar deponiert war. Der adaquate Platz fand sich im westseitigen Quergang vor dem Grabmal des Kuraten Adam Schmid. Die notwendigen Restaurierungsmaßnahmen betrafen die bildhauerische Ergänzung und befundgemäße Aufbringung einer Schlämme, zudem wurde der Taufstein mit einem neu angefertigten Deckel aus Kupferblech versehen. Der in Form eines achteckigen Kelches mit gestuftem Sockel und Wulstnodus ausgebildete Taufstein aus Grinner Tuff trägt in den vertieften Feldern die Umschrift „QUI / CRE / DID / ERIT E / T BAP / TISAT (US) / FVE / RIT SALV (US)“ ( Wer geglaubt haben und getauft wird (ist) wird gerettet sein.), am Fuß desselben finden sich die Jahreszahl 1575, eine Rosette, der österreichische Bindenschild, ein Meisterzeichen und das Attribut des Kirchenpatrons (Antonius der Einsiedler wird ua durch einen Kreuzstab in T – Form, das sogenannte Antoniuskreuz oder ägyptische Kreuz, charakterisiert). Einer optischen Verbesserung bedurfte auch das 1729 vom Bildhauer Josef Ladner geschaffene Grabmal des Kuraten Adam Pianner Schmid aus rotem Marmor, das anlässlich der letzten Renovierung aus dem Bereich des Triumphbogens an die bergseitige Längswand der Kirche versetzt und mit einem optisch unbefriedigenden Sockel versehen worden war (Entfernung der keramischen Bodenplatten und Verkleidung des Sockels mit rotem Marmor). Eine wesentliche Bereicherung erfuhr die durch den Beschluss der Gemeinde Kirchenausstattung, die spätgotische Nischenfigur des Kirchenpatrons aus der Heilig-Kreuz-Kapelle in Ruhestein, die vermutlich aus der Pfarrkirche Ursprünglich stammte, Sicherheits-und aus konservatorischen Gründen zu bergen und in der Kirche aufzustellen. Nach vorangehender bildhauerischer Ergänzung musste die Originalfassung der Plastik freigelegt und im Fehlstellenbereich zur Erreichung eines optisch geschlossenen Gesamteindrucks retuschiert werden. Die weiteren durchgeführten maßnahmen betrafen die Erneuerung der talseitigen Seitentüre im Langhaus, Sämtlicher Installationen, und der Beleuchtung der Bankheizung. Durch umsichtige Bauleitung von Baumeister Ing. sterben. Helmut Ladner, den engagierten Einsatz des örtlichen Restaurierungsausschusses und Sämtlicher beteiligter Restauratoren und Handwerker, Konnte nicht nur eine Anforderung Entsprechende Höchsten denkmalpflegerischen Restaurierung durchgeführt Sondern auch einer der bedeutendsten barocken Sakralräume des Tiroler Oberlandes In seiner ursprünglichen Erscheinung Wiederhergestellt werden.

Dr. Reinhard Rampold, Bundesdenkmalamt, Landeskonservatorat für Tirol


KLEINE KAPPLER KIRCHENGESCHICHTE

Mag. Kleinheinz Daniel

 

Erste urkundliche Erwähnung einer Kapelle zu Kappl

Im Jahre 1370 wird erstmals die Ortschaft „von der Kappel“ in einem Verzeichnis der Herren von Starkenberg erwähnt!

Das Starkenberger Verzeichnis vom Jahre 1370 stellt damit auch die älteste Erwähnung der Kapelle in Kappl dar!

Aus dem Jahre 1398 stammt die älteste kirchliche Urkunde der „Capella sancti Antonij“. Darin heißt es, Dass die Kapelle zur Kirche von Angedair in Landeck gehört und ein neuer Altar zu Ehren der glorreichen Jungfrau Maria und aller Heiligen eingeweiht worden ist.

Die Weihe eines neuen Altares von 1398 bedeutet, dass. die Kapelle von 1370 vergrößert worden ist.

Die ältesten Grundbesitzer in Kappl sind:

Das Kloster Stams:

Stamser In einer Urkunde aus dem Jahre 1280 wird erwähnt, dass. eine Agnes von Fließ für Ihren Verstorbenen als Mann Jakob Meßstiftung den „in pazenowe“ vermacht niderhoven. 1308 werden als Bewohner von Niederhof „Roether, und Egen Ulricus“ genannt. 1355 besitzt das Kloster einen Hof in Perpat.

Die Herren von Starkenberg:

Im Jahre 1318 verzeichnen die Starkenberber einen Hof in Perpat und 1355 einen Hof in Egg. Das Verzeichnis von 1370 erwähnt (Eigen-) Leute in den Ortschaften „von der Kappel“, „von der Mül“, „von Galit“ und „ze Langeztayen“.

Die Herren von Schrofenstein:

Sie geben im Jahre 1344 die Höfe Glitt und Rauth In ihrem Besitzverzeichnis ein.

Von der Kaplanei zur Kuratie Kappl

Die Zunahme der Bevölkerung innerhalb von gut 100 Jahren (von 1280 bis 1398) Mächte eine Vergrößerung der Kapelle notwendig und ließ sie zu einem kleinen Kirchlein wachsen. In den Kapplern wurde der Wunsch nach einem eigenen Seelsorger wach. Sie wenden sich an den Tiroler Landesfürsten „Friedel mit der leeren Tasche“. Aus dem Antwortschreiben vom 21. April 1416 geht hervor, dass. den „Leith gmainlich im Paznaun“ Weiterhin nicht mehr zugemutet werden kann, nach Zams in die Kirche gehen zu müssen. Daher Dürfen sie die bisherige Bezahlung an den Zammer Hilfspriester einstellen und stattdessen einen eigenen „ebigen Caplan“ anstellen „, damit Gott dienst gewahrt, und die Leith mit der Heiligkeit nit gesaumbt werden“. Der Brief des Landesfürsten erwähnt, dass. im Winter die Kappler nicht ohne große Mühe nach Zams in die Kirche gehen Konnten die Verstorbenen und manchmal ohne Begräbnis vergraben werden mussten. Die Zahlung des Zehent und jährlicher der Kirchgang nach Zams sollen aber wie bisher beibehalten werden, so dass der Landesfürst. Der Brief schließt mit der Empfehlung Seiner „lieben getreuen Leith aus Paznaun“ an den Richter zu Landeck und Pfleger zu Wiesberg, dass. er sie „schürme und beschütze“.

Der Bischof von Brixen Bertold II. Bestätigt am 27. Jänner 1422, dass. die Kapelle zum heiligen Antonius dem Einsiedler im Tal Paznaun einen eigenen Seelsorger vom Pfarrer von Zams erhalten soll „, das er Inen die heiligen Sakrament raiche, die nach Christlicher Zeremonj Todte begraben, und alles anders verrichten, was zu haylsamber Regierung der Seelen gehörig ist „.

Der Bischof von Brixen knüpft drei Bedingungen ein Zugeständnis sein:

  1. Die Entrichtung des Zehent samt einer dazugehörenden Gebühr Weiterhin geht an den Pfarrer von Zams.
  2. Zwei Kreuzgänge im Jahr zur Kirche in Zams, „damit die Inwohner die Pfarrkirchen, als die Mueterkirchen erkhennen“
  3. Während der Weihnachtsmette muss dem Pfarrer von Zams ein Dukaten als Messopfer zum Altar gebracht werden.

„Im widrigen Fall wollen wir, das dieser Unser Satzung und Verleih Craftlos und ungiltig Solle sein“, so der Bischof von Brixen.

Die Kaplanei Kappl wurde damit zu einem eigenständigen Seelsorgsbezirk innerhalb der Pfarre Zams erhoben. Nach Auffassung des Kuraten Knoll (1865-1878 Kurat in Kappl) wurde 1422 die Kapleinei Kappl zur Kuratie (eigene Seelsorge) erhoben.

Der Bau der Kappler Kirche von 1482

Die Herren von Starkenberg besitzen im Jahre 1410 Höfe in Stockach, und Schrofen Gufel. Die Landesfürstliche Eigenleutezählung aus dem Jahre 1427 vermerkt 523 Personen in Kappl!

Die Kapelle von 1398 muss angesichts der wachsenden Bevölkerung wieder vergrößert werden. Die Kappler bemühen sich um einen Ablassbrief, um den bevorstehenden Kirchenbau finanzieren zu können. Im Jahre 1466 bestätigt Kardinal Jacobus einen Ablass für alle, „die zum Bau und der Reparatur der Ausstattung der Kapelle etwas Beitragen“.

1482 ist der Bau der „Kapelle“ von Kappl vollendet und der Brixner Weihbischof Konrad Reichard weiht die Zammer „Filial-Kirche in Patznaun“ erneut dem hl. Antonius dem Einsiedler Sowie dem hl. Antonius von Padua als auch der glorwürdigsten Jungfrau Maria. 1493 weiht derselbe Bischof einen Seitenaltar Johannes dem Täufer und den Anderen dem hl. Bischof Erasmus und der hl. Martyrerin Barbara. (Die beiden letztgenannten Statuen der Heiligen sind heute in der Kapelle von Sinsen zu sehen.)

1502 werden mehrere Ablässe vom Brixner Fürstbischof Melchior bestätigt, um den Innenausbau der Kirche zu vollenden.


Ein Unglück kommt selten allein oder der Versuch der Gemeinschaft Ulmich, und Obermahren Sinsen eine eigene Kaplanei zum hl. Martinus zu gründen

Der Kappler Kurat und die Gemeindevorsteher haben aus den Erfahrungen mit den Langestheiern gelernt. Als die Ulmicher Mit ihren Nachbarn eine eigene Kaplanei begehren, stoßen sie auf vehementen Widerstand.

Zur Vorgeschichte: Ulmich und Sinsen sind rätoromanische Namen und weisen auf die ersten Siedler aus dem Unterengadin hin. Die Kapelle in Ulmich Daher könnte älter sein als die vermutlich von deutschsprachigen Siedlern erbaute Kapelle „Sancti Antonij“ in Kappl. Die Sonderstellung der Ulmich Kapelle in der Kuratie Kappl Darin zeigt sich, dass. sterben Langestheier 1693 In ihrem Gesuch um die Errichtung einer Kaplanei erwähnen, dass. sterben Ulmicher Kapelle im Jahre 1690 schon eine Messlizenz erhalten habe. Daraus lässt sich schließen, die dass. Langestheier 1693 diese Lizenz noch nicht hatten. Im Jahre 1691 brach eine ansteckende Krankheit in der Nachbarschaft Ulmich unter Mensch und Vieh aus. Die vielleicht schon damals verstrittene Ulmich Gemeinschaft sieht in dieser Krankheit eine Strafe Gottes und gelobt „Schwere wegen unserer Sünden“ eine alljährliche Messe zu „Martini“ (11.November).

Nachdem die Langestheier mit dem Bau einer großen Kapelle, sprich Kirche, Schliesslich zu einem Kuraten gekommen sind, denkt sich die Gemeinschaft Ulmich, Obermahren und Sinsen das ein ähnliches Vorgehen zur Errichtung einer Kaplanei führen könnte. Am 10. Oktober 1742 bittet die Nachbarschaft Ulmich das Bischöfliche Ordinariat in Brixen, um eine Neubaugenehmigung Ihrer Kapelle, „weilen selbe gar baufällig und dermalen für unser Volk einmal zu klein, etwas größer zu erbauen von neuem“ wäre. Das Projekt des Brixner Kapellenneubaus wird im Schreiben des darauffolgenden Jahres zurückgewiesen, da die Kapitalveranlagung der Kapelle unzureichend sei. Die Nachbarschaft Ulmich Lediglich Daher bittet darum, die hölzerne Kapelle abreißen zu dürfen und eine steinerne Kapelle im selben Ausmaß wieder aufzubauen. Die Nachbarschaft Ulmich versichert auch, dass. der Seelsorgskirche in Kappl Nachteil Keinerlei aus diesem Bau wird erwachsen. Die Genehmigung erfolgte. Die Kapelle wurde dann aber doch „etwas“ größer, wie der Kappler Kurat Aigner nach Brixen 1745 berichtete. 1757 erfolgt ein Bittschreiben der Nachbarschaft Ulmich um die Errichtung einer Kaplanei mit eigenem Seelsorger. Alle nötigen Vorbereitungen, heißt es, Seien getroffen worden: das St. Martinskirchlein neu (und größer) aufgebaut, die Feuerstätten-Gerechtigkeit für den Widum erteilt worden sei und das Baumaterial hiezu schon hergerichtet. (Laut „Schwell“ Max ist dieser Widum „in da Garta bei Albinas Brennhütta“ gestanden.) Die Nachbarschaft Ulmich bittet um die Zustellung eines Supernummerarius ( „Überzähliger“ Priester Aufgrund von „Priesterüberfluss“!) Dessen Ischgler Bezahlung der Richter und Christian Zangerle Dessen Frau anno 1738 in einer Stiftung für das Dekanat übernommen haben. Da diese Stiftung vom Dekanat nicht besonders geschätzt wird, so die Nachbarschaf Ulmich, bitten sie um diese Stiftung, um sich die Bezahlung des Kaplans zu erleichtern. Abschließend wird im Bittschreiben die „traurige“ tatsache erwähnt, dass. zum Begräbnis „liebgewesten unseres Herrn Curaten im verflossenen Winter niemand von uns wegen einfallenden Schneewetters gekommen (sei), wie es die Schuldigkeit gegen unseren so getreuen Seelenhirten Erfordert hätte“. Damit wollte die Nachbarschaft Ulmich ihr Anliegen um die Errichtung einer Kaplanei fördern, denn sie deuten Darin ein, dass. sie weit von der Kappler Kirche entfernt liegen und nicht immer diese Kirche erreichen. Daher Sollten Mann IHNEN einen eigenen Seelsorger gewähren.

Der neue Kurat von Kappl, Peter Angerle, war ein entschiedener Gegner der Kaplanei St. Martin, Weil er nicht einen Kaplan in Ulmich Sondern einen Kooperator für die ganze Kuratie Kappl haben wollte. Der Gemeinderat aber wollte die zusätzliche Bezahlung eines Kooperators nicht unterstützen und lehnte das Ansinnen des neuen Kuraten in einer Sitzung im Jahre 1760 ab. (Die Nachbarschaft Ulmich scheint im Gemeinderat gut vertreten gewesen zu sein.) Als Fürsprecher für die Kaplanei erscheint der Frühmesser des Kuraten, Josef Öttl. Dieser wendet sich an den Dekan und der Dekan Alsdann an den Bischof. Kurat Angerle Ebenfalls wendet sich an den Bischof, die als Nachbarschaft Ulmich sich weigert IHM die finanziellen Gebarungen der St. Martinskapelle offen zu legen. Der Kappler Kurat führt in seinem Schreiben gegen die Errichtung einer Kaplanei folgendes ein:

  1. Ulmich liege am Talweg und sei bloß eine ¾ Stunde von der Mutterkirche Kappler entfernt.
  2. Der Talweg sei im Winter meistens passierbar.
  3. Die Nachbarschaft Ulmich, und Obermahren Sinsen habe nur 84 Kommunikanten (Kirchgeher).

Daraus folgt, dass. die Errichtung der Kaplanei „nur für Faulenzer und Feinde des göttlichen Wortes“ gut sei. Auch würde die Kuratie Kappl sich keinen Kooperator leisten Können, wenn ein Kaplan in Ulmich hausen würde.

Der Fürstbischof von Brixen verbietet daraufhin die Errichtung der Kaplanei zu Ulmich.

Als ein Appell der Nachbarschaft Ulmich mit Hilfe des Frühmessers Öttl scheitert, waren die Hoffnungen vernichtet worden.

Der Kirchenbau um 1726

Das Aussehen der heutigen Kirche verdanken wir im besonderen Maße zwei Kapplern: dem Kuraten Adam Schmid und dem Baumeister Jakob Jehle. Beide stammten aus Obermahren. Unter der Bauleitung von Jakob Jehle entstand schon 1692 der prächtige gotischen Turm mit den Pfosten und Maßwerken. 1726 leitete Jakob Jehle den Neubau der Kirche. Als er 1745 stirbt, würdigte ihn der Kurat von Kappl mit folgenden lateinischen Worten: „architector hujus ecclesiae et vir omni laude dignissimus“. Das heisst, Jakob Jehle Krieg «der Architekt dieser Kirche und ein Mann im Maße jeden Lobes würdig» Höchsten.

Der Kappler Kurat Adam Schmid wollte eine neue Kirche bauen, Weil die alte Kirche in einem schlechten Zustand war und vor allem im Winter nicht Kapplern Platz bot allen, sodass einige unfreiwillig vor der Tür stehen mussten.

Adam Schmid musste bei den kirchlichen Behörden viele Anträge um die Bewilligung des Neubaus stellen. Ein mühsames und langwieriges Unternehmen stehen dem Kuraten Bevor, da er auf häufigen Widerspruch und Anderweitige Beschwernisse Stiess. Das Kirchenvermögen der Kuratie Kappl war so schlecht, dass. die Finanzierung unmöglich erschien. Noch dazu kam, dass. die große mehrheit der erwerbstätigen Mannsbilder den Sommer über im Ausland als Maurer und Zimmerleute arbeiten mufeten nicht für den Kirchenbau und da waren. Als weitere Beschwernis kam hinzu, dass. Aufgrund des schlechten Wegbaus keine Pferde zur Materialanschaffung verwendet werden konnten. Kalk, Sand, Steine, Holz und alles andere mufeten vor allem von den Frauen (wie beim Kirchenbau Langestheier) in Korben auf dem Rücken herangetragen werden. Adam Schmids Vertrauen auf die Hilfe Gottes und der Jungfrau Marie ließ ihn aber trotz dieser vorhersehbaren Schwierigkeiten nicht resignieren. Der entscheidende Anstoß zum Kirchenbau kam, als Adam Schmid ein großes Bild des Heiligen Franz Xaver Bekam geschenkt. Adam Schmid war ein großer Verehrer dieses Heiligen, der Patron der Prediger war. Dass Adam Schmid Bekam dieses Bild, welches heute am rechten Seitenaltar eingefügt ist, war kein Zufall. Gräfin von Brandis aus dem Königlichen Damenstift zu Hall schenkte das Bild des hl. Franz Xaver den Missionspatern vom Jesuitenorden in Innsbruck mit der Weisung, Sie möchten es in eine Gemeinde oder Kirche bringen, wo es am Meisten verehrt werden würde. Als die Jesuitenpatres 1724 eine Volksmission in Kappl hielten, schenkten sie es dem tieffrommen, seligen Adam Schmid. Dieser versprach, dem Bild eine „bekumbliche Hörberg“ zu geben. Nachdem verschiedene Pläne (zB eine eigene Kapelle für das Bild zu bauen) scheiterten, wurde beschlossen die Kirche zu vergrößern, um einen Seitenaltar dem hl. Franz Xaver weihen zu können. Der selige Adam Schmid gab nahezu sein ganzes privates Vermögen (bis auf den Nachlass) für den Kirchenbau und ging damit als größter Wohltäter den Anderen als Beispiel voran. Innerhalb des Diasbaches spendeten die Leute 2557 Gulden und 11 Kreuzer (inklusiv der Spende von 600 Gulden von Adam Schmid) und außerhalb des Diasbaches spendeten die Leute 1609 Gulden und 46 Kreuzer. Die Nachbargemeinden See und Ischgl spendeten 185 Gulden zusammen. Von auswärts kamen Ungenannten von 165 Gulden und 22 Gulden. Der Abt des Stiftes Stams wurde um eine Spende gebeten, da „die mehrigsten Kappler dem hochlöblichen Kloster Grundholde und dahin unterwirffig seint“. Das Damenstift zu Hall unterstützte den Bau mit „Kirchenzier und Paramente“.

Der Dekan von Imst erreichte, dass. der Brixner Bischof trotz aller Schwierigkeiten dem Bau zustimmte mit der Erklärung, dass, wenn „unter diesem Kurat (sc. Adam Schmid) Sollte die Kirche nit repariert werden, würde ein Zukünftiger H. Kurat Solch große u. freiwillige Beihilfe nit mehr bekommen „!

Daher sei auch heute noch dem seligen Adam Schmid ein ehrendes in dieser Festschrift gewidmet Angedenken!

Bild 3 „Adam Schmid“

 


Seelsorger der Pfarre Kappl

1570 wird ein „Capellanus zu Potzenaw“ erstmals mit Namen erwähnt: Johann Irbler, aus der Diözese Freising, seit ca. 1568 in Kappl, vom Dekan Zammer quasi als Kooperator angestellt. Ca. 700 Kirchgänger gemeldet. Die Kappler, so Johann Irbler, seien „ein katholisches, unkundiges des Lesens (aber) Volk“.

1586-1608 ist Johann Lerch aus der Diözese Konstanz als erster Kurat NAMENTLICH genannt. Obwohl er in einem unerlaubten Verhältnis lebte, lobte er die Kappler als ein sittliches Frommes und Volk.

1609 Johann Baumgartner

1610-1611 Michael Schelle

1612 Georg Wilhalm aus der Diözese Konstanz

1614 Christof Laurns aus der Diözese Augsburg

1615 Christof Flußmann

1616-1619 Johann Grieninger

1622-1623 Adam Tscholl

1626-1637 Samuel Schmid

1637-1639 Andrä Wierer

1639-1652 Ulrich Neyer aus Bludenz

1652-1655 Carl Franz Thomson aus Schottland

1655-1664 Sebastian Hell

1664-1680 Georg Lederle. Er gründete 1671 die Rosenkranzbruderschaft in Kappl.

1680-1685 Johann Gaßner

1685-1703 Thomas Greiter. Unter IHM wurde der Turm gebaut.

1703-1711 Jakob Eiter aus Pitztal

1711-1720 Peter Wolf aus Prutz. Unter IHM Frühmessstiftung wurde die gegründet. Das

heisst, ein Priester wurde als zusätzlicher Frühmesser

angestellt. Als erster Frühmesser wurde Adam Schmid ernannt.

1721-1729 Adam Schmid

1729-1732 Franz Strolz aus dem Stanzertal

1732 Andreas Pircher

1732-1750 Christoph Aigner aus Halle. Unter IHM hat es große „scandala“ in Kappl gegeben.

1736 Frühmesser Zürcher aus Kappl

1750-1757 Christian Lindenthaler aus Kappl

1757-1762 Peter Angerle von Pradl

1773-1774 Josef Öttl sen. aus Kappl

1774-1801 Josef Öttl Juni aus Kappl / Sinsen „unter dem sich die Seelsorge zu neuem Glanz erhob, ähnlich wie unter dem seligen Adam Schmid“ (von 1801-1811 war er ein Frühmesser). 1774 war noch ein zweiter Kappler als Priester (Supernumerarius) In seiner Gemeinde tätig: Franz Josef Stark (Gymnasialprofessor in Augsburg, Verfasser von Andachtsbüchern).

1776 starb der Kappler Hilfspriester Josef Alois Lindenthaler (der Ältere) im Alter von 27 Jahren In seiner Gemeinde. Auf ihn folgte der Supernumerar Josef Pfeifer aus Kappl (ab 1780 Frühmesser).

1802 Wiederum ein Krieg Kappler In seiner eigenen Gemeinde als Seelsorger tätig: Johann Alois Stark, der erste Kooperator in Kappl.

1801-1832 Krieg Kappler Josef Alois Lindenthaler (der Jüngere) aus Höfen Kurat in Kappl. Er verfasste das Büchlein „Christliches Andenken für das gemeine Volk“. Von Ihm stammt auch die berühmte „Kappler Predigt“.

1832-1833 Chrysant Saurer.

1833-1843 Johann Paul Jäger von Kappl

1843-1845 Johann Ettel von Innsbruck

1845-1864 Alois Holzknecht von Längenfeld

1864-1865 Josef Stecher von Langtaufers

1865-1878 Josef Knoll von Götzens

1878-1898 Alois Wassermann. „Wie er auf der alten Strasse (über Holdernach) unterhalb vom Anger, wo zum erstenmale nach Kappl hereinsieht, ankam, knallte er den Menschen nieder u. grüßte Bétend Kappl, seine Kirche u. den Heiland. „So taten auch alle früheren Kuraten ‚“.

1891 wurde die Kuratie Kappl Kappl zur Pfarre erhoben. Alois Wassermann war im Jahre 1891 der erste Pfarrer von Kappl (bis 1911).

1911-1914 Pfr.. Franz Hörbst

1914-1915 Pfr.. Johann Lorenz (Chronik)

1915-1927 Pfr.. Andreas Kohler

1927-1951 Pfr.. Johann Plautz

1951-1977 Pfr.. Engelbert Unterlechner

1977-1998 Pfr.. Ulrich Obrist

1998 – Pfr.. Gerhard Haas

 

Restaurierungen seit 1398

 

1398 Vergrößerung der Kapelle zum hl. Antonius – neuer Altar zu Ehren der Gottesmutter und aller Heiligen.

1482 Vergrößerung der Kapelle, ein Priesterchor mit einem neuen Hochaltar zu Ehren der beiden HHL. Antonius ‚und ein Seitenaltar zu Ehren der Gottesmutter.

1493 Aufstellung eines zweiten Seitenaltares zu Ehren von Johannes dem Täufer, Laurentius und Dorothea.

1663 Erweiterung des Kirchleins „fast um die Hälfte“ und Neueinweihung durch den Brixner Weihbischof Jesse Perkhofer.

1692 Jakob Jehle von Kappl-Obermahren baut den Turm In seiner heutigen Gestalt.

1695 Am Kirchplatz werden neue Glocken gegossen. Die größte mit 36 lautete bis 1916 Zentner (Weltkriegsopfer).

1726 Niederlegung der alten Kirche und gänzlicher Neubau durch Jakob von Jehle Kappl-Obermahren unter dem seligen Kuraten Adam Schmid.

1734 Weihe der neuen Kirche

1737 Andrä Jäger aus Füssen stellt die feinstimmige Barockorgel auf.

1774 Bemalung der Gewölbe durch Phil. Jakob Greil aus Pfunds.

? Eine Restaurierung fehlt!

1868 Ölübertünchte Generalsanierung

1884 Kirchendach mit Lärchenschindeln.

1895 Kirchenbänke von einem Stark aus Kappl geschnitzt.

1958 Neuanstrich des Turmhelms von Johann Jäger, Stiegenwahl.

Jüngste Restaurierungen??

 

Antonius der Einsiedler

Es gab Zeiten in unserer Heimat, da war er ein weitum bekannter Populärer Heiliger.

Die vorwiegend ländliche Bevölkerung verehrte IHN und vertraute ihr besonders VIEH Mächtigen Seiner Fürsprache bei Gott ein. ST. Antonius, der Einsiedler ist abgebildet mit Mönchskutte und Glöckchenstab, Schwein und Buch, manchmal auch noch andere (unreine) Tiere.

ANTONIUS war der Sohn wohlhabender christlicher Eltern, geboren um 250 n. Chr. in Kome, einem Dorf in Mittelägypten.

Als er 20 Jahre alt war, starben seine Eltern und hinterließen IHM die Verwaltung des Familienerbes und die Sorge um seine jüngere Schwester.

Bei einem Gottesdienst fühlte er sich tief angesprochen von dem JESUSWORT:

„Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen ganzen Besitz und gib das Geld den Armen, so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben, dann komm und folge mir nach.“ (Mt 19,21)

Konsequent setzte diese Worte ANTONIUS in die Tat um: Er verkaufte das elterliche Gut und gab das, was nicht für die Versorgung Seiner Schwester benötigt wurde, den Armen.

Zunachst ließ er sich in einer Felsenkammer am Rand der Wüste nieder. Er führte ein einsames Leben, In dessen Mittelpunkt das Psalmengebet stehen.

Bald Jedoch zog es ihn noch tiefer in die Einsamkeit der Wüste, wo er am Rand eines Gebirges als EINSIEDLER lebte.

Sein asketisches Leben zog andere junge Männer ein. Er wurde zum Ratgeber Vieler, die ihn aufsuchten. Er wurde Vater einer wachsenden Schar von Männern, die wie er leben wollten. Obwohl er keine MÖNCHSREGEL verfasste, wurde er zum Vorbild einer radikalen Jesusnachfolge.

Im Alter von 105 Jahren starb Antonius, der kurz zuvor noch Seinen Mitbruder Paulus in der Wüste bestattet hatte. Sein Grab wurde erst 200 Jahre nach seinem Tod entdeckt, die Gebeine nach Alexandrien überführt. Seit 1491 werden die Reliquien in der Kirche St. Julien in Arles aufbewahrt.

Wie kommt St. Antonius zum Schwein?

Seit dem Mittelalter Stieg die Verehrung des heiligen Einsiedlers sprunghaft an, besonders seit der Übertragung Seiner Gebeine nach Frankreich. Segensreich wirkte der St. Antoniter – ein Krankenpflege-Orden für die arme Bevölkerung.

Albert v. Bayern gründete 1382 den ANTONIUS – Ritterorden, so wurde der Heilige Vorbild des Ritterstandes und Patron. Etwa um diese Zeit wird es gewesen sein, dass. einige EINSIEDLER lebten im Paznaun (erste Bauern?) Und ein kleines GOTTESHAUS auf den Namen des Heiligen tauften. Übrigens hatte dieses erste Heiligtum die Mutter Gottes noch vor St. Antonius als Schutzpatronin.

Der Antoniter-ORDEN Hielt für die Verköstigung der Kranken Schweine; Dürften sie frei weiden und hatten Glöckchen umgehängt.

Am Festtag des Heiligen, 17. Jänner, wurde vielerorts ein Schwein geschlachtet und das Fleisch ein Arme und Kranke verschenkt. Bei Seuchen, die unter den Tieren und auch beim Menschen auftraten, rief man den Heiligen um seine Fürsprache ein. So war es nur mehr ein kleiner Schritt zur Bekannten Darstellungsform: Glöckchenstab und Schwein.

Durch einen glücklichen Zufall – die Antoniusstatue von der Kapelle Ruhestein Sollte restauriert werden – fand man heraus, dass. es sich dabei um eine überaus meisterhaft Geschnitzte gotische Figur handelt. Nun erhält diese Statue einen Platz im Gotteshaus. Der einheimische Künstler Josef Jehle fertigte eine Kopie für die Kapelle Ruhestein ein.

Bild 4 „Gotische Statue“

 

Die Pfarrkirche zum hl. Abt Antonius dem Einsiedler in Kappl

ein Bau-und Kunst

 

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